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PKM

Von PKM zu CKM: Kann individuelles Denken kollektives Wissen werden?

Maik · 2026-04-01 · 100% human

Ein Gespräch mit Guia Carmona, die wir uns auf dem PKM Summit 2026 kennengelernt haben, hat eine Frage aufgeworfen, die mich seither nicht loslässt: Ab wann wird eine private Praxis des öffentlichen Denkens (wie z.B. beim Digital Gardening) zu einem Beitrag für etwas Kollektives?

Guia hat eine Spannung im PKM benannt, die sie schon länger spürte, die aber noch kaum untersucht wurde. Auslöser war der Gedanke in meiner Reflexionsnotiz zum PKM Summit – dass PKM-Praktizierende „eher Existenzphilosophen ähneln” – und sie hakte nach: „Wenn Denken so persönlich, so individuell ist, vergessen wir dann nicht einen großen Teil des Lebens?” Wann kommen die kollektiven Räume ins Spiel, und wie sehen sie aus?

Frage(n) formulieren

Wie notwendig ist individueller Denkraum – und wann und wie öffnet er sich in etwas Gemeinsames?

Das fühlt sich nicht nur philosophisch, sondern auch praktisch wichtig an. Wenn alle unsere Notizen für immer privat bleiben, verfeinern wir zwar unser eigenes Weltbild, tragen aber nichts zu dem anderer bei. Und wenn wir umgekehrt alles sofort veröffentlichen, verlieren wir die unfertige, erkundende Qualität, die einen Garten erst lebenswert macht.

Mögliche Zugänge zur Frage

Das sind einige erste Ansätze, um diese Frage weiterzuentwickeln und zu bearbeiten.

Die Schwelle des Selbstvertrauens

Vielleicht liegt die eigentliche Hürde gar nicht bei den Werkzeugen oder der Zeit, sondern beim Glauben an sich selbst, der Selbsterkenntnis und dem Selbstvertrauen. Eine halbfertige Idee zu teilen erfordert das Vertrauen, dass sie Wert hat, bevor sie ausgefeilt ist. Diese Schwelle wird von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich angesehen. Was hilft dabei, sie zu überwinden? Accountability-Gruppen, wie z.B. diese, die wir auf dem Summit gegründet haben, können einen Unterschied machen – aber wie genau? Diese Frage braucht noch weiteres Nachdenken.

Kollektives Wissensmanagement (CKM)

Ich weiß nicht, ob dieser Begriff schon existiert, aber er trifft gut, was ich beschreiben möchte. Es ist schwer zu fassen: die Gesamtheit individueller PKM-Praktiken und angesammelten Wissens, sichtbar und verlinkt in einem digitalen Garten. Eine digitale Garten-Accountability-Gruppe ist ein kleines „Tinyverse” dafür – ich meine damit nicht einfach ein gemeinsames Wiki, sondern eine Sammlung individueller Gärten im Gespräch miteinander.

Topographie statt Zeitstrahl – noch einmal

Maggie Appletons Rahmung digitaler Gärten als nach Topographie statt nach Zeitstrahl organisiert gilt auch auf kollektiver Ebene. Eine Gemeinschaft von Gärten ist eine Landschaft, kein Feed. Man wandert durch verschiedene Gedankenwelten, statt einfach eine Chronologie zu konsumieren.

Die Spannung ist produktiv.

Vielleicht muss die Trennung zwischen Individuellem und Kollektivem gar nicht aufgelöst werden. Der private Raum ist der Ort des Denkens; der öffentliche Garten ist der Ort, an dem man teilt, was reif genug ist. Die Lücke dazwischen (das “in-between”) ist genau die kreative Reibung, die beides erst wertvoll macht. Und was ich hier teile, ist lediglich ein Fragenbündel – offen für alle, die mitnachdenken möchten.

Noch offen

Das ist eine Seedling Notiz. Ich habe noch keine Antwort – und ich bin mir nicht sicher, ob ich schon eine will. Aber ich möchte regelmäßig auf diese Frage zurückkommen, besonders wenn die digitale Garten-Accountability-Gruppe Fahrt aufnimmt und wir beginnen, gegenseitig unsere Arbeiten zu lesen. Ich werde das im Blick behalten und meine Beobachtungen hier festhalten.